Kategorie: Genossenschaftsgeschichte

Hermann Schulze-Delitzsch (1808-1883)

Hermann Schulze-Delitzsch ist als einer der „Gründerväter“ des deutschen Genossenschaftswesens in die Geschichte eingegangen. Doch sein Wirken beschränkte sich nicht allein auf den genossenschaftlichen Bereich. Als führender Liberaler gehörte er zu den Gründern des Deutschen Nationalvereins 1859 und der deutschen Fortschrittspartei 1861. Wegen seiner Verdienste hat ihm die Universität Heidelberg 1878 den Titel eines Ehrendoktors verliehen.

Die Zwecksparvereine (Liedke’sche Vereine)

Ab 1845 verbreitete sich von Berlin ausgehend die Bewegung der Zwecksparvereine. Hierin sollten bedürftige Leute kleine und kleinste Beträge ansparen, um damit auf gemeinsame Rechnung und in großen Mengen preiswerter ihre grundlegenden Haushalts- und Lebensmittel zu erwerben. Das den Konsumgenossenschaften ähnliche Konzept stieß zwar schnell auf große Resonanz, dauerhaft durchsetzten konnte es sich jedoch nicht.

Die Anfänge der (modernen) Konsumgenossenschaften

Eine weitere große Säule des modernen Genossenschaftswesen sind die Konsumgenossenschaften. Auch ihre Entwicklung nimmt mit dem Einsetzen der Industrialisierung und den damit verbundenen gesellschaftlichen Umwälzungen ihren Anfang. Die meist von Arbeitern und Handwerkern gegründeten Konsumvereine sollten vor allem die Versorgung der unteren Bevölkerungsschichten mit besseren Waren zu günstigeren Preisen verbessern.

Die Redlichen Pioniere von Rochdale

Ein oft zitiertes frühes Beispiel moderner genossenschaftlicher Selbsthilfe ist die im Dezember 1844 von 28 Webern in Nordengland gegründete Rochdale Society of Equitable Pioneers. Anfänglich noch spöttisch belächelt, wurden die von den Redlichen Pionieren geprägten Grundsätze schnell zu einem wichtigen Eckpfeiler der konsumgenossenschaftlichen Bewegung.

Die Wurzeln der modernen Genossenschaftsidee

Im 19. Jahrhundert führten Bauernbefreiung, Industrialisierung und zunehmende Land-Stadt-Migration zu einer Verschärfung des Existenzkampfes auf dem Land und zu einem Niedergang traditioneller Strukturen im Handwerk. Um den sozialen Missständen in der Stadt und auf dem Land zu begegnen, schlossen sich Arbeiter und Landwirte unter anderem zu verschiedenen Genossenschaften zusammen.

Die Vorläufer der modernen Kreditgenossenschaften

Kleinere, nur regional tätige Bankeinrichtungen zur finanziellen Unterstützung der Bauern sowie der kleinen Handwerker und Gewerbetreibenden gab es bereits vor der Entwicklung der modernen Bankgenossenschaften. Viele von ihnen scheiterten an gesellschaftlichen Umbrüchen oder Wirtschaftskrisen. Einige wenige jedoch entwickelten sich beständig weiter, meist zu Sparkassen oder Kreditgenossenschaften. Zu ihnen zählt auch die Privat-Sparkasse Lerbach, die heute als Genossenschaftsbank mit den ältesten Wurzeln gilt.