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Dr. Anton Bernhardi (1813-1889)

Er war Arzt, zugleich aber auch Erfinder und Unternehmer, Politiker und Genossenschaftspionier: Im Kampf gegen die sozialen Missstände während der Industrialisierung entwickelte Anton Bernhardi Produktionsmöglichkeiten zur Herstellung preiswerter Kalksandstein-Ziegel. Zudem war er Mitbegründer des Eilenburger Darlehnskassen-Vereins – dessen Mitglieder noch vor Hermann Schulze-Delitzsch auf die Prinzipien der solidarischen Haftung und der Selbsthilfe setzten.

Hermann Schulze-Delitzsch (1808-1883)

Hermann Schulze-Delitzsch ist als einer der „Gründerväter“ des deutschen Genossenschaftswesens in die Geschichte eingegangen. Doch sein Wirken beschränkte sich nicht allein auf den genossenschaftlichen Bereich. Als führender Liberaler gehörte er zu den Gründern des Deutschen Nationalvereins 1859 und der deutschen Fortschrittspartei 1861. Wegen seiner Verdienste hat ihm die Universität Heidelberg 1878 den Titel eines Ehrendoktors verliehen.

Die Wurzeln der modernen Genossenschaftsidee

Im 19. Jahrhundert führten Bauernbefreiung, Industrialisierung und zunehmende Land-Stadt-Migration zu einer Verschärfung des Existenzkampfes auf dem Land und zu einem Niedergang traditioneller Strukturen im Handwerk. Um den sozialen Missständen in der Stadt und auf dem Land zu begegnen, schlossen sich Arbeiter und Landwirte unter anderem zu verschiedenen Genossenschaften zusammen.

Vormoderne Genossenschaften

Allgemein heißt es, dass Genossenschaften in Deutschland mittlerweile auf eine mehr als 150-jährige Geschichte verweisen können. Diese Aussage bezieht sich auf die sogenannten „Modernen Genossenschaften“, deren historische Grundsteine ab Mitte des 19. Jahrhunderts von Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen gelegt wurden. Doch die beiden Genossenschaftspioniere haben das Konzept nicht erfunden – sondern „nur“ eine sehr viel ältere Idee weiterentwickelt.