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Die Anfänge der Genossenschaftsbanken in Italien

1864 wurde die erste italienische Volksbank gegründet – und das gestützt auf die Ideen von Hermann Schulze-Delitzsch. Die treibende Kraft bei den Anfängen der italienischen „Banca Popolare“ war der Volkswirtschaftler und spätere Premierminister Luigi Luzzatti (1841-1927). Er hatte die Ideen Schulze-Delitzschs offenbar während seiner Berliner Studienzeit kennengelernt und stand später auch mit dem deutschen Gründervater in freundschaftlichem Briefkontakt.

Regionalbanken vor großer Krise?

Bis 2018 werden zwei Drittel aller deutschen Genossenschaftsbanken und Sparkassen kaum noch konkurrenzfähig sein. Das berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf eine Studie der Beratungsfirma 4P Consulting. Um gegenzusteuern müssen die Banken an ihrer Kostenstruktur schrauben. Dabei geraten auch die kostenintensive Präsenz in der Fläche und die Beratungsqualität in den Fokus – beides Kernelemente des eigenen Geschäftsmodells.

Der Konzentrationsprozess der Volks- und Raiffeisenbanken

Für die Jahrzehnte zwischen Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Einheit lässt sich allgemein festhalten, dass ein verschärfter Wettbewerb und neue technologische Entwicklungen zu einem weitreichenden Konzentrationsprozess innerhalb des Genossenschaftswesens führten. Besonders betroffen hiervon waren die westdeutschen Kreditgenossenschaften. Ihre Zahl sank zwischen 1949 und 1990 von 11.942 auf 3.037 – das entspricht einem Minus von knapp drei Vierteln!

Genossenschaftsbanken für Handwerk und Gewerbe (Schulze-Delitzsch)

Während die meisten Wurzeln des modernen Genossenschaftswesens in England und Frankreich liegen, ist der Typ der Kreditgenossenschaft eine originäre deutsche Entwicklung. Wesentlich vorangebracht wurde das Konzept durch den Genossenschaftspionier Hermann Schulze-Delitzsch. Im Mai 1850 rief er den Delitzscher Vorschuss-Verein ins Leben, der als Keimzelle der heutigen Volksbanken gilt.

Hermann Schulze-Delitzsch (1808-1883)

Hermann Schulze-Delitzsch ist als einer der „Gründerväter“ des deutschen Genossenschaftswesens in die Geschichte eingegangen. Doch sein Wirken beschränkte sich nicht allein auf den genossenschaftlichen Bereich. Als führender Liberaler gehörte er zu den Gründern des Deutschen Nationalvereins 1859 und der deutschen Fortschrittspartei 1861. Wegen seiner Verdienste hat ihm die Universität Heidelberg 1878 den Titel eines Ehrendoktors verliehen.